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AI-Ads: Werbung bei ChatGPT & Co.

Ein neues Werbeumfeld steht in den Startlöchern - und viele Marketer warten darauf, es endlich bespielen zu können: Ads in ChatGPT und anderen AI-Tools. Wann geht es los? Dass Werbung in den meisten KI-Anwendungen kommen wird, ist mehr als wahrscheinlich. Wie genau die Formate aussehen und welche Regeln gelten werden, ist noch offen. Doch erste Tests und Probeläufe zeigen bereits, in welche Richtung es gehen wird.

ChatGPT: Die ersten Tests laufen schon 

Seit Februar 2026 testet OpenAI Werbeanzeigen in ChatGPT. Allerdings nur in den USA und dort ausschliesslich in den Tarifen Free und Go. Die Macher von OpenAI setzen dabei auf folgende Grundsätze:  

  • Die Anzeigen haben keinen Einfluss auf die Antworten. 
  • Werbeanzeigen sind klar getrennt vom Inhalt. 
  • Werbetreibende haben keinen Zugang zu Fragen und Antworten. 
  • ChatGPT gibt keine persönlichen Daten an Werbetreibende weiter. 

Laut eigenen Angaben sollen Ads auf ChatGPT den kostenlosen Zugang unterstützen. Ein kleiner Blick in die Glaskugel: Wenn die Finanzierung durch Ads gesichert ist, könnten langfristig die Free-Versionen von ChatGPT leistungsfähiger werden – mit weniger Einschränkungen. Denn dann läuft die Monetarisierung von ChatGPT nicht mehr allein über Gebühren für kostenpflichtige Premium-Zugänge. 

Erste Screenshots lassen erkennen, dass die Anzeigen ähnlich wie bei den Google SERPs aussehen werden. Sie wirken kaum störend. Klar ist: Die Antworten von ChatGPT hängen nicht von den Ads ab, aber die Einblendung der Ads von den Fragen und Antworten. Ganz ähnlich wie bei der Google-Suche.

In einer ersten Stellungnahme fallen die Bewertungen positiv aus. Die Ads scheinen sich nicht negativ auf das Vertrauen der User auszuwirken. Die Anzeigen werden zunehmend relevanter und die Ausblenderaten sind gering. Deshalb wird das Pilotprogramm jetzt ausgeweitet – zunächst auf Kanada, Australien und Neuseeland. 

Unternehmen, die auf diesen Märkten werben möchten, können sich jetzt schon anmelden: openai.com/advertisers. 

Auch Gemini macht sich bereit

Auch bei Gemini stehen die Zeichen auf Öffnung zu Ads. Das ist kein Wunder. Gemini ist Google, Google ist Alphabet und 75 Prozent des Gesamtumsatzes von Alphabet stammen aus Werbung. Gemini ist derzeit der mit Abstand am stärksten wachsende Kanal von Alphabet. Es gibt also keinen Grund, Googles KI-Tool dauerhaft werbefrei zu halten. Zudem ist Gemini bereits in die Google-Suche integriert – und dort gibt es die Google Ads, die schon jahrelang erprobt wurden. Technisch gesehen wäre die Integration in die KI-App deshalb ohne grossen Aufwand möglich. 

Wenn KI-Tools die klassische Suchanfrage bei Google zunehmend verdrängen, muss auch die Suchmaschine reagieren. Und aus der Gerüchteküche gibt es weitere Hinweise: Analysen von Code-Fragmenten in Beta-Versionen der KI-Apps deuten darauf hin, dass Google Werbeplätze direkt im Verlauf von Chats vorbereitet.

Aus der Wirtschaft kamen zuletzt kritische Stimmen: Der ChatGPT-Ads-Testlauf laufe langsamer als erwartet an. Das dämpft kurzfristig die Erwartungen – allerdings zeigt das dosierte Vorgehen von OpenAI, dass der Aufbau des Werbekonzepts sehr ernsthaft, kontrolliert und strategisch angegangen wird. Die Zurückhaltung ist eher ein Indiz dafür, dass es dem Unternehmen um eine langfristig tragfähige Etablierung des Formats geht. Im Vordergrund steht offenbar nicht das schnelle Geld, sondern ein belastbares und nachhaltiges Werbemodell. Die Richtung ist klar: ChatGPT-Ads werden kommen. Tempo und konkrete Ausgestaltung sind noch offen. 

Keine Ads auf Claude

Claude ist aktuell der KI-Assistent mit dem stärksten Wachstum und wäre deshalb auch ein hochinteressantes Umfeld für Werbetreibende. Doch hier sieht es unter Marketing-Aspekten düster aus. Wenn Anthropic seinen Grundsätzen treu bleibt, wird es auf Claude auch in Zukunft keine Ads geben. Claude setzt auf Vertrauen und Bezahlmodell statt Werbefinanzierung. 

The next step: Conversational Ads

Der nächste Schritt in der Integration von Werbung in KI-Tools sind Conversational Ads. Das ist mehr als die schlichte Einblendung von Werbeanzeigen. User können bei Interesse direkt mit der Anzeige interagieren. Sie können dort Fragen zu einem Produkt stellen und sich gezielt beraten lassen. Hierfür kooperiert OpenAI bereits mit Smartly und anderen Adtech-Anbietern. Auf den Punkt gebracht bedeuten Conversational Ads: 

  • Klassische Werbung vermittelt die Markenbotschaft.
  • Conversational Ads führen den Dialog weiter. 

Ziel ist es, dass sich Werbeinhalte in die Logik einer KI-gestützten Unterhaltung integrieren. Das eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, in einen kontextbezogenen Austausch über ihr Angebot zu treten. Hierin liegt natürlich auch eine Gefahr: Je besser sich die Werbung in das Gespräch einbettet, desto unklarer werden die Grenzen zwischen Kommunikation und Reklame. Die Macher von KI-Systemen können diesem Zielkonflikt nur begegnen, wenn der werbliche Dialog stets klar erkennbar bleibt. 

Für das Marketing bedeuten Conversational Ads dagegen einen echten Paradigmenwechsel. Die Anzeige muss nicht mehr nur gesehen werden, sondern auch in einem dialogischen Kontext Anschlussfähigkeit erzeugen. Markenkommunikation auf Abruf. Da wirkt der Zugang zu Fragen und Antworten aus der KI-Unterhaltung vor dem Einblenden der Anzeige für Werbetreibende natürlich verlockend. Doch die Macher von ChatGPT möchten genau dies ja ausschliessen. Gerade hier wird sich entscheiden, ob Conversational Ads als nützlicher Service wahrgenommen werden – oder als Vertrauensbruch.

Fazit

Die Entwicklung von Anzeigen in ChatGPT und Co. ist in den groben Zügen absehbar. Dass sie kommen werden, steht fest. Und wahrscheinlich werden die Anzeigen der Zukunft nicht nur kontextbezogener, sondern auch interaktiv. Conversational Ads dürften zum Standard werden. Unternehmen, die hier einsteigen möchten, müssen vorbereitet sein. Es wird zum Beispiel mehr darum gehen, Fragen zu verstehen, als Keywords zu optimieren. Sobald für das eigene Unternehmen relevante Pilotmärkte zugänglich werden, bieten sich erste konkrete Tests an.

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