Wohin entwickelt sich das Marketing im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz? Wie positioniert man das eigene Angebot, wenn heute schon immer mehr potenzielle Kunden prompten statt googeln? In Zukunft wahrscheinlich mit einem persönlichen KI-Agenten?
Im Moment kann niemand genau vorhersagen, wohin die Reise geht. Sicher ist nur: Es wird sich etwas ändern, und die Veränderungen werden tiefgreifend sein. Vieles hat sich bereits geändert. Was also tun? Ganz einfach: Etwas tun – mit ersten, überschaubaren und günstigen Massnahmen, um den eigenen Shop Schritt für Schritt KI-tauglich zu machen.
Je früher man damit beginnt, desto deutlicher wird der Vorsprung sein. Es gilt, den eigenen Shop für KI-Agenten, Voice-Search-Systeme und neue
Produktempfehlungsmodelle sichtbar zu machen. Hier sind sieben Tipps: Sofortmassnahmen für Onlineshops. Eine Art Erste-Hilfe-Kasten für alle,
die es sich nicht leisten können, den Einstieg in das KI-Zeitalter zu verpassen.
1. llms.txt
Erst kam robots.txt, dann kam sitemap.xml. Und jetzt kommt llms.txt – eine kleine Textdatei, die auf dem Hauptverzeichnis der eigenen Website
abgelegt wird. Die Datei llms.txt enthält in knapper Form Informationen über die Website – und zwar speziell für ChatGPT und andere KIs.
● Inhalte (Content, Kategorien)
● Zugriffspfade (URLs)
● Marken- und Produktnamen
● Datenquellen
● Wichtige Keywords
● FAQs
● Unternehmensdaten
Die Datei funktioniert ähnlich wie robots.txt oder sitemap.xml. Der Unterschied: llms.txt wurde nicht für Suchmaschinen, sondern speziell für
KI-Systeme entwickelt. Die Datei liefert klare Informationen über den Aufbau und die Funktionen des Onlineshops, die wichtigsten Produkte,
korrekte Markenbezeichnungen, die Beziehungen zwischen den Inhalten und vieles mehr. llms.txt ist zwar noch kein offizieller Standard, aber wer
die Datei jetzt schon nutzt, verschafft seinem Onlineshop einen wertvollen Vorsprung.
Sofortmassnahme: Der Aufwand für die Erstellung einer llms.txt-Datei ist gering. Es lohnt sich, schon jetzt eine solche Datei zu erstellen. Dafür braucht es nur ein paar Minuten, wenn man Online-Tools wie den LLMS-Textgenerator nutzt.
2. Strukturierte Daten
Strukturierte Daten – ein Must-have für jede suchmaschinenoptimierte Seite. Das galt schon vor KI. Während klassische SEO-Strukturen wie title, meta description oder meta keywords auf menschliche Interpretation setzen, sind strukturierte Daten eindeutig auf die Maschinenlesbarkeit ausgerichtet. Das betrifft vor allem Produktdaten. Aber warum sind strukturierte Daten auch für ChatGPT, Perplexity oder Gemini so wichtig?
● KI-Suchsysteme greifen bevorzugt auf klar geordnete, kontextuell vollständige Datensätze zu.
● Sie ermöglichen eine bessere Sichtbarkeit in KI-generierten Kaufempfehlungen.
● Klar strukturierte Daten vermeiden Fehlinterpretationen. Sie ermöglichen eine eindeutige Produktzuordnung.
Info: Strukturierte Daten sind standardisierte Zusatzinformationen im Quellcode einer Website. Sie werden meist nach den Vorgaben von Schema.org eingebunden – als JSON-LD-Blöcke im HTML-Head oder als spezielle HTML-Attribute wie itemtype oder itemprop.
Sofortmassnahme: Wenn Ihr Onlineshop noch nicht Schema.org-konform ist, ist es höchste Zeit zu handeln. Manche Plattformen liefern nur Basis-Templates und überspringen das Schema.org-Markup. Dann helfen ein Plugin, ein Upgrade oder der Umstieg auf ein anderes System.
3. E-E-A-T
E-E-A-T ist ein Vertrauensfaktor – und das gilt jetzt nicht mehr nur für das Ranking bei Google, sondern auch für Künstliche Intelligenz. Ursprünglich stammen die Aspekte Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness von Google. Gedacht als Vorgaben für die Quality Rater von Websites – aber natürlich mit Auswirkungen auf SEO.
Auch KI-Modelle bewerten die Vertrauenswürdigkeit von Quellen und entscheiden auf dieser Grundlage, ob sie auf Informationen zugreifen oder nicht.
Sofortmassnahme: Schnelle, einfache und sofort umsetzbare Schritte als Push für E-E-A-T sind die Nennung von Autoren, eine überarbeitete Impressum-Seite und die Verlinkung auf seriöse Quellen. Kleine Ursache, grosse Wirkung. Nur wenige Aktivitäten sorgen dafür, dass User, Suchmaschinen und KI-Systeme verstärkt auf den eigenen Content zugreifen.
4. Voice-Search-Optimierung
Voice Search verändert die Art, wie wir einkaufen. Keywords eintippen? Das war früher. Heute redet der User mit seinem KI-Assistenten wie mit einem Menschen. Natürliche Fragen statt Keywords: Welcher Wanderschuh ist am besten für breite Füsse? Welche Gitarre eignet sich für Anfänger? Welches Kabel brauche ich, wenn ich Gerät X mit Gerät Y verbinden will?
Damit ChatGPT und Co. die Inhalte des eigenen Onlineshops leichter verstehen können, muss sich auch die Website an gesprochener Sprache orientieren:
● Strukturierte Frage-Antwort-Formate
● FAQs
● Kurze, klare Antworten
Voice-fähig geschriebene Inhalte funktionieren auch in KI-Systemen besser. Bekannte SEO-Strategien wie Long-Tail-Keywords, Conversional SEO und Local SEO werden im KI-Zeitalter einen Aufwind erleben.
Sofortmassnahme: Formulieren Sie die wichtigsten Produkt- und Serviceinfos als kurze, direkte und natürliche Antwort auf typische Kundenfragen.
5. First-Party-Daten
First-Party-Daten sind im KI-Zeitalter wertvoller denn je. Was sind First-Party-Daten? Ganz einfach: Es sind die Daten, die man selbst erhoben hat und die nicht von Dritten stammen: Kaufhistorie, Produktinteressen, Newsletter-Anmeldungen, Bewertungen, Klickverhalten oder Antworten aus Umfragen.
Diese Daten sind nicht nur rechtlich sauberer, sondern auch präziser, zuverlässiger und für KI-Systeme deutlich besser nutzbar als Third-Party-Daten.
Warum bevorzugen KI-Systeme First-Party Daten? Weil sie klare, hochwertige und vertrauenswürdige Informationen benötigen, um personalisierte Empfehlungen zu erzeugen. First-Party-Daten liefern dafür die perfekte Basis – ohne Datenschutzrisiken, mit klarer Herkunft.
Sofortmassnahme: Überprüfen Sie Ihre vorhandenen First-Party-Daten. Prüfen Sie, welche Informationen bereits existieren und welche zusätzlich erhoben werden können. Schon wenige zusätzliche Datenpunkte helfen KI-Systemen, deutlich bessere Empfehlungen zu erstellen.
6. Datenschutz
Datenschutz lässt sich in Zeiten von KI als Wettbewerbsvorteil nutzen. Denn die Nutzer möchten wissen, wie ihre Daten verarbeitet werden. Sie vertrauen Marken, die dieses Thema offen kommunizieren. Legen Sie deshalb offen, auf welcher Datengrundlage personalisierte Empfehlungen erstellt und ein individueller Service geboten werden.
Warum ist das für KI so wichtig? KI-gestützte Systeme bevorzugen zuverlässige Datenquellen. So wird Datenschutz zum technischen Vorteil. Modelle greifen eher auf Informationen zu,
● deren Herkunft klar ist,
● deren Nutzung transparent geregelt wurde
● und bei denen keine rechtlichen Risiken bestehen.
Unsichere oder ungeklärte Datenquellen werden von modernen KI-Systemen zunehmend gemieden oder abgestraft.
Sofortmassnahme: Kurze Prüfung der Datenschutztexte und Einwilligungsprozesse. Schon kleine Updates wirken Wunder: klare Cookie-Hinweise, allgemein verständliche Informationen zur Datenverwendung oder eine präzise Auflistung, welche Daten für personalisierte Angebote tatsächlich genutzt werden.
7. Weiterbildung
Fit für KI? Klar: Das ist eine Frage der Kompetenz. Jedes Unternehmen ist nur so gut wie der Wissensstand der Mitarbeiter. Soweit zeitliche Ressourcen vorhanden sind, ist jede Investition in Weiterbildung Gold wert.
Regelmässige Workshops, interne Schulungen und der Austausch über neue Tools helfen dabei, den Wissensstand zu optimieren. Wichtig ist auch, Berührungsängste abzubauen. KI soll Human Power nicht ersetzen, sondern die Arbeit unterstützen.
Sofortmassnahme: Starten Sie ein kleines internes KI-Experiment – zum Beispiel einen Teamtest mit einem klar definierten Use Case wie "Produkttexte mit KI verbessern". Ohne weitere Vorgaben, die Teilnehmer sollen absolut frei sein. Die Ergebnisse werden zeigen, auf welchem KI-Stand Ihre Mitarbeiter sind. Und das ist der Ausgangspunkt für weitere Entwicklungen.
Fazit
Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Aber dieser erste Schritt muss getan werden. Das ist das Wichtigste. Danach wird sich eine spannende Eigendynamik entwickeln. Mit einem klaren Ziel: Ihr Onlineshop soll weiterwachsen – auch im KI-Zeitalter. Es gilt, vorbereitet zu sein auf das, was als Nächstes kommt. Was immer das ist.
